11. April 2018

 

Ein Plädoyer für den naturnahen Garten hielt Friedhelm Haun, Kreisfachberater für Gartenkultur beim Landkreis Kulmbach, im Café Clatsch.

Der „naturnahe Garten“ sei nicht der Raum ohne Pflege, nicht die Wildnis und auch nicht die Natur persönlich. Er sei vom Menschen geleitet und gestaltet, allerdings nicht mit aller Kraft und vielen Mittelchen gegen die Natur, sondern mit der Natur.

Der naturnahe Garten solle auch dem Besitzer und Nutzer Freude machen – durch beobachten der Natur in Muße, durch Arbeitserleichterung, weil man die Natur mitarbeiten lässt, durch Einsparungen, weil vieles nicht gekauft werden muss.

Ein besonderes Kennzeichen sei die Vielfalt: verschiedene Garteninhalte bieten auch vielen Tieren und Pflanzen unserer Heimat Lebensraum; der Garten werde zu einem Biotop oder mehr noch zu einer Vernetzung vieler Biotope.

Im naturnahen Garten wird

der Rasen eine Wiese sein,

die Hecke eine bunte Vielfalt aus       Blütensträuchern

die Pflanzungen ein buntes Spektrum heimischer Arten – ausgewiesene Exoten werden vermieden

Normalerweise, so der Referent, sei der Garten auch kein Nadelwaldstandort. Für die Kultur bevorzuge man robuste Sorten, denn so lasse sich viel Pflanzenschutz sparen, der – wenn nötig – sich aus pflanzlichen Tinkturen, aus dem Einsatz von Nützlingen und aus der mechanischen Beseitigung zusammensetzt.

 

Wenn man etwas Besonderes für die Natur tun will, biete man ein Feuchtbiotop, eine Trockensteinmauer, einen Reisighaufen an. Man wird erstaunt sein, wie schnell sich hier heimische Tiere ansiedeln, wie der Garten nicht nur Lebensraum, sondern Erlebnisraum wird.



28. März 2018

 

Biber

Viel Interessantes über den Biber wusste Erich Schiffelholz zu berichten. Er ist einer von vier Biberberatern, die mit fachkundiger Information weiterhelfen, wenn irgendwo wieder eine neue Biberburg entstanden ist. „Wir versuchen, Kompromisse zu finden und zu begleiten.“

Lange Zeit war er in Deutschland von der Bildfläche verschwunden, der Biber, jenes dämmerungs- und nachtaktive Tier, das ungefähr 35 Kilogramm schwer und ca. einen Meter lang werden kann; das in Familienverbänden lebt (Elterntiere und zwei Jungtiergenerationen) und lange Zeit wegen seines Fells bejagt wurde. Oder wegen des Fleisches, das von der Kirche als „fischähnlich“ und somit als Fastenspeise akzeptiert wurde. Oder wegen des „Bibergeils“, einem Drüsensekret, in das manche Zeitgenossen die letzte Hoffnung setzten, wenn sonst nichts mehr ging.

1867 war in Deutschland der letzte Biber erlegt worden. Dann war er erstmal einige Jahrzehnte von der Bildfläche verschwunden, bis schließlich Anfang des letzten Jahrhunderts in Bayern mit der Wiederansiedlung begonnen wurde. Heute wird der Bestand auf rund 4000 Reviere mit etwa 16 000 Tieren geschätzt.

Biber seien Baumeister der Artenvielfalt. Im Umfeld von Biberburgen sei man zum Beispiel eine Zunahme von Libellenarten von 12 auf 18 beobachtet. Auch die Fischdichte sei um ein Vielfaches höher als sonst im Durchschnitt. In Bachabschnitten ohne Biber habe man 20 Bachforellen pro Kilometer, mit Bibern von 120 pro Kilometer gezählt.

 

Im Kulmbacher Umkreis gebe es heute ca. 20 Biberfamilien.



14. März 2018

 

Man kann eine Sache mies machen und alle Menschen, die das hören, sind zutiefst abgeschreckt, es selbst auszuprobieren. Man kann eine Sache aber auch so mies machen, dass der Zuhörer noch während des Vortrags selbst Riesenappetit darauf bekommt, auf diesem Gebiet eigene Erfahrungen zu sammeln.

So geschehen beim Café-Clatsch-Nachmittag mit Rüdiger Baumann. Sein Thema: „Camping – warum tut sich der Mensch das an?“ Aufgrund der Fragestellung könnte vermuten, nun komme etwas Negatives, eine Ansammlung schlechter Erfahrungen, von denen man tunlichst die Finger lassen sollte. – Weit gefehlt!

Man merkte schnell, dass da ein jahrzehntelanger Überzeugungstäter am Werk ist. Einer, der sich von den Anfängen des kleinen Hauszelt-Campers über eine Vielzahl von Modellen zum stolzen Wohnwagen-Besitzer hochgehangelt hat und keine der dabei gesammelten Erfahrungen missen möchte; nicht die enge Tuchfühlung mit den campenden Nachbarn, den fehlenden Service oder die happigen Preise, denn Campen sei keinesfalls billig.

Es gehe um Rückbesinnung (auf Höhlebauen und Lagerfeuerschüren), um Reduzierung auf das Notwendigste („Du bist vier Wochen unterwegs, und danach stehst Du vor Deinem Haus und fragst Dich: Wozu brauchst Du das alles überhaupt?)

Es geht um eine eigene Welt, um eigene Regeln, die keine sind, weil man den Tag sehr frei gestalten oder einfach nur abhängen könne, es gehe um Kommunikation und viel Lachen und manchmal auch um ein bisschen Philosophie.

Rüdiger Baumann nahm aber auch die „Segnungen“ der Neuzeit unter die Lupe, etwa den „Kommunikationskiller Satellitenschüssel“: „Da sitzt du in einer herrlichen Vollmondnacht am Comer See – und die anderen sitzen im Wohnwagen und schauen fern oder spielen mit ihrem Smartphone.

Es gebe viele unterschiedliche Campertypen: Erkunder, Abhaker, Stehenbleiber, Wiederkommen oder Hausmitnehmer.

 

Und es gebe herrliche Abende im Irgendwo – in der Stadt und draußen. „Draußen essen“, schwärmte er, „jede Minute ein Genuss!“ Sein Wunsch, auf dem (Gras-)Teppich bleiben - „was anders als Glück will mer ja net haben!“



28.Februar 2018

 

Über das Thema „Blasenschwäche“ sprach Dr. Camelia Sancu, leitende Ärztin am Kulmbacher Gesundheitsamt, im Café Clatsch. Frauen, so führte sie aus, seien häufiger von Inkontinenz betroffen als Männer. Hormonumstellungen während einer Schwangerschaft aber auch in den Wechseljahren könnten einen Einfluss auf die Harnblasenmuskulatur haben. Nach einer Geburt sei die Beckenbodenmuskulatur geschwächt, was nicht selten zu einer Inkontinenz führe.

Bei betroffenen Männern sei sehr häufig die Prostata als Ursache der Inkontinenz auszumachen, denn die Harnröhre führe direkt durch die Vorsteherdrüse.

Die Beckenbodenmuskulatur spiele eine wichtige Rolle für die Inkontinenz. Sie müsse deshalb regelmäßig trainiert werden. Bei übergewichtigen Personen bestehe zudem ein erhöhter Druck im Bauraum. Übergewicht und Inaktivität können so zu Inkontinenz führen.

Zur Unterstützung könnten parallel zu einem regelmäßigen Training auch Medikamente gegeben werden. Beispiele seien Duloxetin oder Östrogene bei Frauen, deren Inkontinenz hormonell bedingt ist.

 

Operative Eingriffe seien in vielen Fällen unter örtlicher Betäubung möglich und würden mittels minimal-invasiver Techniken durchgeführt.



14. Februar

Jeder Tinnitus ist einzigartig

 

Am „Tag der Stille“ beschäftigte man sich im Café Clatsch mit einem extremen Geräuschproblem: dem Tinnitus. Wer darunter leidet, kann von Stille nur träumen. Herbert Rösch, Sprecher der Selbsthilfegruppe „Tinnitus“ in Kulmbach, präsentierte den zahlreichen Zuhörern im wieder einmal voll besetzten Café per CD einige Beispiele: Rauschen, Brummen, ein tiefes Bumm-Bumm-Bumm oder Kreissägenähnliches. Ein Tinnitus hat viele Gesichter.

Da das Leiden als Symptom, aber nicht als Krankheit gelte, hätten Betroffene meist Schwierigkeiten, es ärztlich und von der Kasse bezahlt behandeln zu lassen. Nicht zuletzt deshalb habe sich 1996 die Selbsthilfegruppe Kulmbach gegründet, mittlerweile die größte, aktivste und kreativste in Deutschland. Sie trifft sich an jedem zweiten Samstag im Monat um 14 Uhr im Gasthaus Wehner in Fölschnitz. Das nächste Treffen ist am 10. März. Da spricht u. a. Buchautor Dr. Reuther über das Thema „Der betrogene Patient“.

So viele Gesichter der Tinnitus hat, so vielfältig scheinen auch die Ursachen, die ihn auslösen. Fachmännisch ausgedrückt sei es „eine Wahrnehmung im Innenohr, ohne dass eine Schallwelle vorhanden ist“, quasi ein Geräusch, das im eigenen Kopf entsteht.

 

Und im eigenen Kopf muss wohl auch der Schalter gefunden werden, der den Tinnitus wenigstens erträglicher werden lässt. „Alles, was mir gut tut, ist gut gegen den Tinnitus!“ so Herbert Rösch, der für sich als beste Methode ausgemacht hat: In den Wald gehen und einen Baum anschreien. „Da geht der Druck raus!“ – wobei das In-den-Wald-gehen und Abschalten zweifelsohne im Vordergrund steht. „Jeder Tinnitus ist einzigartig; wie ich ihn wahrnehme und wie ich mit ihm umgehe, liegt einzig und allein an mir.“

Alles, was die körperliche innere Anspannung erhöht, sei problematisch und beflügele den Tinnitus. Wichtig sei zu lernen, mit dem Wörtchen „muss“ umzugehen. Anstatt zu sagen, ‚ich muss heute Wäsche waschen, ich muss heute Fenster putzen‘, solle man das ganze etwas gelassener angehen, etwa in der Art: „Ich erlaube mir, heute mal Fenster zu putzen!“ So banal das klingt – es gehe darum, eine Veränderung des Bisherigen in den Vordergrund zu stellen. „Ohne Veränderung, keine Verbesserung!“

Herzhaftes Lachen, wie es in der Selbsthilfegruppe sehr viel praktiziert werde, wirke sich schon mal sehr positiv aus. „Wir haben nach unseren Treffen oft einen Bauchmuskelkater.“

 

Mehr über die Arbeit der Selbsthilfegruppe auch auf www.Tinnitus-Selbsthilfegruppe-Kulmbach.de



24. Januar 2018

 

Wegen Überfüllung geschlossen!“ hieß es wieder einmal im Café Clatsch. Zugpferd war diesmal Dr. Christian Konhäuser, Chef der Neurologischen am Klinikum in Kulmbach, diesmal mit dem Thema: „Wenn die Beine kribbeln – das Restless legs Syndrom“. Zum Glück bestand die Möglichkeit, nach dem Kaffeetrinken zum Vortrag in den Saal des Martin-Luther-Hauses überzuwechseln. Die mehr als 100 Besucher fanden dort gut Platz.

Dr. Konhäuser informierte über RLS, eine häufige neurologische Erkrankung, deren Schweregrad sehr unterschiedlich ausgeprägt sein könne. Charakteristisch sei ein erheblicher Bewegungsdrang der Beine, seltener auch der Arme, der ausschließlich in Ruhesituationen auftritt, durch Bewegung gebessert oder beseitigt wird und abends bzw. nachts besonders ausgeprägt sei.

Nachgewiesen sei bislang, dass 50 Prozent der Patienten eine positive Familienanamnese hätten. Dr. Konhäuser unterstrich jedoch, dass es sich bei RLS nicht um eine Erbkrankheit handle. Festgestellt wurde in vielen Fällen auch ein verminderter Eisenspeicher im Gehirn. Auch Nebenwirkungen anderer Medikamente könne ein Auslöser sein.

 

Die genauen Ursachen seien bisher noch unbekannt. Eine gute therapeutische Wirksamkeit habe sich bei dopaminergen Substanzen gezeigt, wie sie beispielsweise auch bei Parkinsonerkrankungen eingesetzt werden. Aber auch sie blieben unter Umständen nicht ohne Nebenwirkungen, wie etwa Störungen der Impulskontrolle wie z. B. Kauf-, Spiel- oder Esssucht, Libidosteigerung oder Verhaltensveränderungen. In solchen Fällen sollte das Medikament abgesetzt werden.



10. Januar 2018

 

 

Ein großartiges Redetalent, gepaart mit viel Wissen. Was dabei herauskommt, erlebten die (rund 100) Besucher des Café Clatsch, als Adrian Roßner sie Auf den Spuren der schwarzen Kunst“ begleitete. Der studierte Historiker ist an der Universität Bayreuth tätig und beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit dem Volksglauben im Fichtelgebirge, zu dem er zwischenzeitlich mehrere Aufsätze vorgelegt hat. In diesem Zusammenhang wurde auch eine große Zahl an alten Bräuchen zusammengestellt, die heute, in einer Zeit der Technik und Hektik, meist vergessen sind. So galten insbesondere die „Öbersten“, die Raunächte zwischen Heiligabend und Dreikönig, als besonders machtvoll für die Vorhersage zukünftiger Ereignisse, weshalb sich entsprechend viele Riten rund um diese zwölf Tage gruppierten. In seinem Vortrag gab Roßner Einblicke in die Welt des Volksglaubens und zeigte auf oftmals sehr humorige Art und Weise auf, woraus sich die Angst vor den dunklen Mächten entwickelt hat. Ein überaus informativer Vortrag mit hohem Unterhaltungswert!